Samstag, 6. September 2014

Schlechte Propheten

Wirtschaftswachstum

Schade, die Deutsche Bank lag mit ihrer Prognose daneben. Im Jahr 2013 ist das Brutto-Inlandsprodukt um 0,4% gestiegen, dass war deutlich mehr als noch im Juni vorhergesagt (+0,1%). Auch ihre Vorhersage aus dem ersten Quartal (+0,3%) war falsch. Für die Prognose aus unserem ersten Beitrag sind damit „minus Unendlich Punkte“ fällig.

Erst im September 2013 veröffentlichte das DIW Berlin eine korrekte Vorhersage. Ich bin davon nicht beeindruckt, immerhin standen da bereits drei von vier Quartalszahlen fest, auf deren Basis das Jahr bewertet wird.

Zum selben Datum hatten auch zwei weitere Institute ihre Tipps abgegeben, nämlich der Bundesverband deutscher Banken (BdB) und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Mindestens eines von beiden irrte sich bei der Vorhersage einer Änderung von +0,6%.

Während die vorhergesagten Zahlen noch alle in der selben Größenordnung liegen, so unterschiedlich werden sie bewertet. Auf der einen Seite spricht Wallstreet Online über die „hohe konjunkturelle Dynamik in Deutschland (0,7 Prozent)“  und eine „überraschend kräftige wirtschaftliche Entwicklung in Frankreich (0,5 Prozent)“ und meint damit die Zahlen der ersten Quartals 2013. Im selben Artikel bewertet man die Erwartung von +1,7% als „moderat“. Bei der FAZ sind die selben Zahlen „ein starkes Jahr 2014“.
Vier Wochen später äußert sich auch der Tagesspiegel „exklusiv“ zum Thema und betitelt die Nachricht mit „Kein kräftiger Aufschwung in Sicht“. Die bereits erwähnten 0,4 % seien nun „nur halb so viel wie noch im April beim Frühjahrsgutachten prognostiziert, wie der Tagesspiegel am Mittwoch erfuhr“ und außerdem „nur knapp über Null“. Die Zahlen hatten sich in den vier Wochen nicht so sehr geändert, dass sie den plötzlichen negativen Ton erklären würden. Eine exakte Quelle für seinen Pessimismus will der Artikel nicht nennen. Stattdessen gibt er eine Auswahl von Instituten, an erster Stelle wieder das DIW.

Diese vielen falschen Zahlen und widersprüchlichen Interpretationen lassen mich hoffen, dass niemand versucht, auf deren Grundlage wichtige Entscheidungen zu treffen.

Netzneutralität

Nun kommen wir zum spaßigen Teil. Ich werde mir eine absurd hohe Punktzahl für eine schlechte Prognose geben. Ich hatte im Juli letzten Jahres prophezeit, dass die Telekom ihre Pläne zur „Drosselung“ einzelner Anschlüsse nicht unterlassen wird. Tatsächlich hat die Telekom ihre Pläne dazu aufgegeben und die betroffenen Verträge geändert. Der Grund, warum ich dafür trotzdem Punkte bekomme, liegt am schlechten Timing der Telekom. Ich hatte den Zeitrahmen „bis zur Bundestagswahl“ ausdrücklich angegeben. Die ersten Nachrichten zur Planänderung kamen aber erst im November. Als Konfidenz hatte ich 99% angegeben, das sind also 1/(1-0,99) Punkte = 100 Punkte für mich. Mein neuer Punktestand ist 109,1.

Wenn ich die Parallele zu Sarahs Fußball-Tipp ziehen darf, dann scheinen kurzfristige Prognosen mit hoher Konfidenz ein Garant für reichlich Punkte zu sein. Sarah erhält für ihre erfolgreiche Prognose 8 Punkte.