Mittwoch, 10. Juli 2013

Kein Aus für Herr der Ringe Online

Die Spielebranche ist wirklich immer für eine Überraschung gut. Nach Microsofts Ankündigung, die nächste XBox-Nutzung nur noch bei laufender Internetverbindung erlauben zu wollen, habe ich einfach alles geglaubt. Nun hat Microsoft einen Rückzieher gemacht. Aber nicht nur mich hat das gewundert, auch echte Industrie-Propheten verlegen die "alles wird digital"-Prognose weiter in die Zukunft. Ich hätte meine Prognose gerne schon früher veröffentlicht, nur um dann falsch zu liegen. Dieses Blog soll ja bewusst ein Gegenentwurf zu denen sein, die schon immer gewusst haben, dass Microsoft mit seiner Immer-Online-Strategie nicht durchkommen wird.

Genau wie das XBox-Fiasko ist auch eine andere Nachricht dem Sumpf der Gerüchte entstiegen, aber im Gegensatz zu den oben genannten Experten, wird sein Urheber über die fehlgeschlagene Prognose nicht überrascht sein. Warner Bros beliebtes Online-Spiel "Der Herr der Ringe Online" könnte 2014 bereits eingestellt werden. So formuliert ist an der Schlagzeile nichts falsch, schließlich macht jedes Jahr das ein oder andere MMO dicht. Um diese Prognose jedoch in die Schlagzeile schreiben zu können, ignoriert der Autor einen zentralen Punkt seines eigenen Artikels: Die Macher von Herr der Ringe Online haben jederzeit die Option, ihre Lizenz fürs Spiel bis 2017 zu verlängern. 2017 ist doch noch lange hin für ein MMO, oder? Das ist auch dem Autor nicht entgangen:
Of course, the worst-case scenario is just that, but I wouldn't pin it as the likely scenario. After all, there is the extension option, and four more years could be more than enough time to give us that full journey.
Na also, alles nicht so schlimm. Und für den Fall, dass wir es ihm selbst nicht glauben, erklärt uns Turbine weiß auf schwarz:
We plan to support LOTRO for many more years to come.
Diese letzte Information ist leider noch nicht bis zum deutschen Spielejournalismus durchgedrungen.

Asheron's Call feiert 13-jähriges Bestehen
Aber wie lange wird Herr der Ringe Online nun denn existieren? Das Spiel ist schon etwas in die Jahre gekommen, aber es ist bei weitem nicht das älteste Spiel auf dem Markt. Es hat ein solides Geschäftsmodell und seinem Betreiber Turbine hat seine Ausdauer bereits bewiesen. Es ist das älteste MMO unter Lizenz, aber ich glaube nicht, dass das ein Problem darstellen wird. Falls überhaupt, geht vorher das Entwickler-Studio unter.


Prognose: Ich glaube, dass der Herr der Ringe Online die Unkenrufe überleben wird. Das Spiel ist zeitlos, beliebt und gut gemacht. Unter der Voraussetzung, dass Turbine, Inc. als Firma noch existiert, wird HdRO am 1. Januar 2018 immer noch zugänglich sein und weder der Betreiber noch der Publisher werden das Aus für HdRO verkündet haben.
Konfidenz: 95%

Prognose: Falls Turbine nicht mehr in der heutigen Form existiert, werden die Server von Herr der Ringe Online am 1. Januar 2018 trotzdem noch laufen.
Konfidenz: 90%


Dieser Text steht unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA.

Freitag, 5. Juli 2013

Netzneutralität und die Drosselkom

Von wegen langsames Parlament! Im kurzen Monat Juni hat der Bundestag das Thema Netzneutralität komplett abgefrühstückt - Petition inklusive. Für uns als Propheten wird es an dem Punkt interessant, an dem wir den Blick in die Glaskugel wagen: Wie wird denn nun die Zukunft der Netzneutralität? Der Anfang gebührt Markus Beckedahl von Netzpolitik.org, der uns wissen lässt: "Bundeswirtschaftsministerium wird nicht Drosselkom-Pläne stoppen". Wir werden sehen, was das Wirtschaftsministerium daraus macht und ob tatsächlich noch eine wirksame Verordnung gegen die Pläne der Telekom kommt. Ein Gesetz hat sich jedenfalls vorerst erledigt.

Die düsteren Aussichten laden zum Spekulieren ein. Wie sieht das Internet wohl in zwei Jahren aus? Ich befürchte, dass das "neutrale" Netz, oder was heute noch davon übrig ist, bis 2015 kein Thema mehr sein wird. Bis in zwei Jahren werden die Entertain-Pakete und Musikstreamer ungedrosselt an der Konkurrenz vorbei zum Kunden geleitet. Das geschieht natürlich alles über unsere Leitungen. Die selbe Leitung, über die ich im Schneckentempo meine E-Mails abrufe, wird meinem Nachbar in Echtzeit Mario Barth auf den Bildschirm zaubern. Das wird soweit gehen, dass bis dahin das Peer-to-Peer-Filesharing in Deutschland fast ausgestorben sein wird. Für diese These ist es leider echt schwierig, Belege zu finden. In Ermangelung einer besseren Quelle wähle ich ein Orakel: Der Google-Trend ist eindeutig. Seit 2004 ist das Interesse an Torrents ständig gesunken. Sollte bis zur Auswertung eine bessere Quelle vorliegen, können wir auch diese verwenden.

Halten wir fest:

Prognose: Die Seite Netzpolitik.org wird bis zur Bundestagswahl keine Nachricht veröffentlichen, die das Aus für die Drossel-Pläne der Telekom verkündet.
Konfidenz: 99%
Ausgewertet wird spätestens am 21. September 2013, kurz vor der Bundestagswahl.

Prognose: Bis zum 31. Dezember 2015 wird es wieder Volumentarife der ISPs geben, welche nach "Verbrauch" des Volumens unbrauchbar werden.
Konfidenz: 95%

Prognose: Das Interesse an P2P-Filesharing wird sich bis 2015 mindestens halbieren, gemessen am Google-Trend für den Suchbegriff "torrent" eingeschränkt auf Deutschland und den Zeitraum Juli 2013 bis "heute".
Konfidenz: 95%
Ausgewertet wird spätestens am 31. Dezember 2015.